„Predigt“ von Willibert Pauels überstrahlt „Kölsche Chressdäch“
Premiere für „Kölsche Chressdäch“ und das Limelight in Junkersdorf.
Der äußere Rahmen stimmte von vornherein: leise rieselte der Schnee vor der Tür und im nightclub-roten Ambiente des Limelight standen ein alter Schlitten mit Geschenken und ein hoher geschmückter Christbaum auf der Bühne.
Im musikalischen Vorprogramm liefen die größten Kölschen Weihnachts-Hits von Bläck Fööss, Höhner, Paveier und Co.
Der Abend begann mit einer von mehreren Moderationen von Bruno Eichel. In einem groß- und buntkarierten Jackett, das an Karneval erinnerte, beschrieb er feinsinnig die Schwierigkeit, die die Kölner mit einer Festlichkeit wie Weihnachten hätten: es flössen schnell die Tränen – vor Freude und vor Sentimentalität. Immerhin gebe es ein Rezept gegen den ganzen Weihnachtsstress: Lachen.
Und im Limelight sollte es viel zu lachen geben an diesem Abend. Und zum Nachdenken.
Dieter Steudter und das Tagebuch seines Nachbarn
Dieter Steudter, selbst ins Rentenalter gekommen, las aus dem Tagebuch eines Rentnerkollegen aus seiner Nachbarschaft vor. Urkomisch, wenn es nicht so traurig wäre, wie einsam sich viele alte Menschen fühlen.
Die Sängerinnen Elke Breu und Margit Schopen als „Kölsche Bescherung“, leicht jazzig begleitet von der Dieter Jacobs-Combo, überzeugten mit schönem Gesang, der sogar stereo aus den Boxen kam.
Bei Uli Teichmann und seinem Lied, das das Leben eines Weckmanns von der Backstube bis zur Kläranlage beschreibt, wurde zum ersten Mal mitgeklatscht. Das Lied ist schön deftig, aber nicht zotig.
Bruno Eichel erklärte den rund 200 Gästen anschließend, wie man einen Christbaum aufstellt: Am einfachsten nimmt man einen dieser neuen Ständer aus dem Baumarkt, einen mit „Schwischwaschwupp“-Technik. Sehr unterhaltsam.
Hans Breuer, ein viel gebuchter Weihnachtskünstler in diesen Tagen, brachte eine Geschichte zum Zuhören und zum Schmunzeln. Ein Highlight war sein Kölsches Weihnachtsgedicht.
Dieter Steudter fabrizierte als gelernter Konditor auf offener Bühne einen Marzipan-Engel. Der einzige Nachteil war, dass nur das vordere Drittel des Saals etwas davon sah. Aber, immerhin, wortreich begleitet. Und: Sowas hat man noch auf keiner Kölschen Weihnachtsfeier gesehen.
Und dann schlug die Stunde von Willibert Pauels, dem katholischen Diakon, der auf Karnevalsbühnen so abräumt.
Er brachte große Teile seiner neuen Sessionsrede – sie ist wieder großartig! Keiner bringt seine Pointen komischer an die Jecken als der „Bergische Jung“. Am Ende wurde Pauels dann philosophisch, ernst, fast theologisch: Er setzte sich mit dem Thema Atheismus auseinander. Und warum Weihnachten darüber siegt.
Manche Besucher hatten Tränen in den Augen – so schön ergreifend war das.
Bruno Eichel sollte Recht behalten.