Jeckenklaaf Berichterstattung aus dem Kölner Karneval

Immisitzung: Ritterbach macht Podolski zum Festkomitee-Präsidenten

Geschrieben von Klaus Huber - Rubrik: Sitzungen

Der Festkomitee-Präsident als Roter Funk bei der Immisitzung

Premiere der Immisitzung am 17. Februar 2011
Es war nur eine von fast endlos vielen lustigen Szenen dieser Immisitzung: mittendrin erblickt Sitzungspräsidentin Katja Solange Wiesner den Präsidenten des Festkomitees im Publikum und unterzieht ihn eben mal einem kurzen Karnevals-Wissenstest. Markus Ritterbach, in Rote Funken-Uniform, versagt, weil er Lukas Podolski als Festkomitee-Präsident angibt, und muss dafür ein Kölsch trinken.

Auch sonst sind die Immis auf Du und Du mit dem Kölner Karneval.
Ein Merkmal des Karnevals ist es ja, über sich selbst zu lachen. Vor allem den Akteuren mit griechisch-türkischem Hintergrund gelingt das: sei es, wenn ein griechischer Gott lallend am Weinfass steht, sei es beim Bombenleger-Ballett von vier Selbstmordattentätern.
Ganz selbstbewusst gibt es auch Einwände gegen die deutsche Leitkultur: „Grölend aus Eimern saufen.“

Ein Highlight ist die wahnwitzige Sprach-Akrobatiknummer von der „Flatrate in der Bäckerei.“ Dem Kunden, der ganze zwei Brötchen kaufen will, wird am Ende eine Jahresflatrate in Brötchen und Wurst angedreht.
Oder wenn fast schon naiv erklärt wird, wie griechisch Köln doch ist, mit Herkules-Hochhaus und Heliosturm.
Oder die ungewohnte Perspektive im „Campingplatz-Waschraum“.
Die Puppenspieler hoch über der Bühne, ein Kölscher un französischer Geist im Kölner Dom, laufen zeitweise zu Hochform auf.
Eine Salsa-Nummer wird durch eine spitze Cuba-Trompete und lasziven Tanz so sexy wie man das im Kölner Karneval sonst nicht erlebt.
Ein sentimental-lächerliches Hartz IV-Liedchen lässt das ganze Bürgerhaus mitschmachten und mitlachen.
Welthits wie „Satellite“ und „Alors je danse“ werden umgedichtet: „Alaaf – Alaaf“ und „Allein in Köln“.
Eine üppige und äußerst selbstsichere Benefizlady verdreht in ihrer abstrusen Ansprache alle Begriffe.
Menschliche Ratten im Keller der Kölner Oper fiepsen aufgeregt zum Finale.

Insgesamt läuft die Immisitzung auf höchstem Niveau: In Tanz, Musik und Gesang erreicht sie die Stunksitzung ganz locker, an die sie manchmal erinnert .
Die Immisitzung in der Südstadt wirkt frischer und inspirierter als die alte Tante in Mülheim.
Und die Sitzungspräsidentinnen?

Sicher, Biggi Wanninger ist die Seele der Stunksitzung, mit einem sicheren Instinkt für die linke politische Pointe.

Weit eloquenter, spritziger und viel mehr im Thema Karneval drin, ist Katja Solange Wiesner – eine geborene Schwadschnüss, wie es scheint, ne urkölsche „Negerkopp“, wie sie sich selbst nennt, dazu singt und tanzt das Energiebündel, und sie gibt sich durch und durch dem Karneval hin – echt jeck.

Noch zehn Mal geht die Immisitzung über die Bühne, und für einige gibt es noch ein paar Restkarten.

Über

Karneval begleitet ihn sein ganzes Leben. Als Kind trommelt er bei der alemannischen Fastnacht, später ist er fünf Jahre lang in Rio de Janeiro mit der Samba-Welt auf Du und Du. Seit 18 Jahren berichtet er über den Kölner Karneval in all seinen Facetten, vom Vorstellabend bis zur Nubbel-Verbrennung.