Weihnachts-Show mit Engel und Schulz: Klein, aber oho

Purple Schulz bereichertt die Tommy Engel-WeihnachtsShow

Sie ist kraftvoll wie selten – Die Tommy Engel WeihnachtsDinner-Show. Denn kaum ist der Hauptgang abgeräumt, legen die Musiker los, ohne langes Federlesen: Keyboarder Jürgen Fritz, die Gitarristen Pit Hupperten und Alex Olivari, Schlagzeuger Heiko Braun, Bassist Hans Maahn und Backgroundsängerin Frauke Harder.
Und Tommy Engel von der ersten Sekunde an dabei. Es ist die gleiche Band wie vor einem Jahr, und nun spielt sie aus einem Guss.

In den Stücken “Wilde Bloome” und “Dönn Wäng” lässt Gitarrist Alex Olivari sein Können aufblitzen, im einen Stück mit filigranen Flageolett-Tönen, im anderen mit kräftig schnorrenden Wah-Wah-Einsatz. Drummer Braun unterläuft gleich zu Beginn vor lauter Bemühen ein leichter Lapsus – was ihm vom früheren Schlagzeuger Tommy Engel einen strengen Blick einbringt.
Das alles zeigt, da ist eine Band, die lebt.
Passend dazu das Lied über das Nachbarn-Belauschen in “Dönn Wäng”, das Tommy Engel voller Soul rüberbringt.
“Dat kleine Jlöck” lebt vom sentimentalen Timbre in Engels Stimme.
So groovt sich die Tommy Engel-Band ihren Weg durch den weiten Saal im Staatenhaus, der nicht ganz ausverkauft war.

Und dann geschieht das, was dem ganzen Abend eine andere Richtung gab: Purple Schulz tritt in Szene, und gemeinsam singen Engel und Schulz “Verliebte Jungs” – op Kölsch.
Die beiden nehmen sich selbst auf den Arm – beide sind ungefähr gleich klein, nur ist der eine fülliger als der andere. So wird aus “Ebony and Ivory” “Schulz und Engel, Dick und Dünn”, und aus “Short People” wird “Klein Minsche”.
Nach dem Verständnis heischenden Stück über die Menschen aus BM, GL, SU, EU im Stück “Dummer nit esu” war es Zeit für “Du bes Kölle”, Engels größten Solo-Hit aller Zeiten. Die Band läuft dabei zu Hochforrm auf, selten hat man das Stück so harmonisch und druckvoll gehört.

Zeit für den nächsten Knaller von Purple Schulz: “Heimweh – Ich will raus”. Das Publikum ist hingerissen.
Als dann beide “Drink doch eine met” anstimmen und immer wieder den “Kleine Mann” statt dem “Ahle Mann” ins Spiel bringen, ist der Jubel groß.
Eins wird dabei klar: wenn beide Sänger auf der Bühnen stehen, dann dominiert Purple Schulz in der Tommy Engel WeihnachtsDinner-Show.

Die zweite Hälfte beginnt irisch klingend, das Bühnenbild ist grün getüncht, und Frauke Harder spielt ein fast nervig dünnes Flötchen, das an Dudelsack erinnert.
Und dann beginnt ein Programmteil, der jeder Karnevalsveranstaltung gut tun würde:
Tommy Engel bedient sich des Stilmittels der musikalischen Parodie. Man nimmt dazu bekannte Stücke und versetzt sie mit neuen, ironischen Texten.
Er wählt dazu ein höchst aktuelles Thema – die internationale Finanzkrise.
Und dann kommen sie hintereinander an die Reihe, die Pleite-Kandidaten:

  • Griechenland: Ein Scheck wird kommen
  • Spanien: Adios, España
  • Portugal: Dat Jeld bald all
  • Italien: Berlusconi ist “Alles ejal” (auf “Felicitá”)

Jedes einzelne Stück ist ausgefeilt arrangiert und das elektronische Bühnenbild passt sich jeweils an.

Das Thema Karneval wird dann auch mit vollem Namen genannt, denn Tommy Engel und Purple Schulz versetzen sich in die Rolle von Marie-Luise Nikuta. Angenommen, das nächste Karnevalsmotto handle von “Arschkaat”, Ganz sicher, Marie-Luise Nikuta würde auch dazu ein Mottolied einfallen. Heraus kommt bei den beiden ein Larifari-Schunkelwalzer mit einfältigem Textchen und wunderbar sonoren Einwürfen von Pit Hupperten. Purple Schulz imitiert dabei Marie-Luise Nikutas Bewegungen und Eigenarten – sehr lustig!

Urkölsch geht es weiter, mit “Ming eetste Fründin” und “Katrin”, ehe Purple Schulz “Kleine Seen” anstimmt.

Es ist 22:40 Uhr, Zeit für Weihnachtslieder zum Mitsingen bei der Tommy Engel WeihnachtsDinner-Show. Und Heiko Braun behandelt sein Schlagzeug zu “Stille Nacht” & Co nun extrem fein.

Das vorletzte Liede gehört wieder Purple Schulz – ganz allein schmachtet er am Flügel: “Gerade noch gefehlt”.

Als finaler Höhepunkt folgt “In unserem Veedel”.
Standing Ovations und lang anhaltende “Zugabe”-Rufe.


Geschrieben von Klaus Huber

Karneval begleitet ihn sein ganzes Leben. Als Kind trommelt er bei der alemannischen Fastnacht, später ist er fünf Jahre lang in Rio de Janeiro mit der Samba-Welt auf Du und Du. Seit 19 Jahren berichtet er über den Kölner Karneval in all seinen Facetten, vom Vorstellabend bis zur Nubbel-Verbrennung.